Für Raucher, die nicht mit dem Rauchen aufhören können, findet sich in der Gesellschaft enorm viel Empathie. Schließlich ist der Süchtige körperlich abhängig. Sein gesamtes Immunsystem hat sich daran gewöhnt regelmäßig über die Lunge Nikotin aufzunehmen und schlägt Alarm, sobald kein Nachschub kommt.

Der Süchtige hat sich Selbst zum Sklaven gemacht und wird wie eine Marionette von der Sucht angetrieben, in regelmäßigen Abständen den Glimmstängel zu entzünden. Dabei liegt der Unterschied zwischen einer erfolgreichen und erfolglosen Genesung oft nur in einem Faktor.

Wieso gibt es kaum Hilfe für Menschen mit Masturbationssucht?

Ähnlich verbreitet ist die Unterstützung die Alkoholiker erfahren. Wie bei den Rauchern benötigen auch sie immer wieder Betäubung um mit den Herausforderungen des Lebens fertig zu werden. So jedenfalls die Ansicht des Süchtigen. Weltweit haben Alkoholiker ein überwältigendes Netzwerk an Einrichtungen und Gruppen, die sie dabei unterstützen, von der Flasche loszukommen wie zum Beispiel die anonymen Alkoholiker.

Von so einer Hilfe können Sex-und Pornosüchtige nur träumen. Staatliche Einrichtungen, aber auch die Wissenschaft, sind beides träge Institutionen. Bevor Maßnahmen ergriffen werden, muss sich die Komplexität sowie Schwere des Problems erst über Jahrzehnte beweisen und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Man kann Staat und Wissenschaft allerdings keinen Vorwurf machen. Es bedarf gründlicher Forschung um festzustellen ob es sich bei Sex-und Pornosucht um die gleiche Sucht handelt wie z. B. Alkoholsucht. Innerhalb der Nofap Community gibt es da allerdings keinen Zweifel, dass es sich um eine echte Sucht handelt.

Darunter leiden vor allem die Betroffenen. Auf sozialen Medien wird Alkoholkonsum geradezu v. a. unter jungen Menschen geradezu glorifiziert. Selbstverständlich kostet es auch Alkoholikern unglaublich viel Überwindung ihrem Umfeld zu gestehen, dass sie süchtig sind und ein Problem haben, aber es ist eben nicht das Gleiche wie eine Sucht nach Pornographie oder Sex. Wieso fällt es Betroffenen also so schwer aufzuhören, obwohl es sich bei der Porno- bzw. Sexsucht nicht um eine stoffgebundene Unabhängigkeit handelt?

Aktueller Forschungsstand zur Sucht nach Pornografie

Noch Bedarf es viel Forschung um die Mechanismen, die im Gehirn ablaufen während ein Betroffener Pornos schaut, ganz nachvollziehen zu können. Fest steht aber, die Intensität mit der das Gehirn auf Pornos reagiert, steht Kokain in Nichts nach (Childress A.R., 2008). Das Gehirn kann nicht zwischen Video und Wirklichkeit unterscheiden und kommuniziert dem Betroffenen, durch das Ausschütten von Glückshormonen „Was auch immer du hier gerade entdeckt hast, es ist der evolutionäre Jackpot!

Gehirnreaktionen auf „unsichtbare“ Reize (33ms) (Childress A.R., 2008)

Geht der Betroffene so einem Verhalten immer wieder nach, verfestigen sich im Verlauf der Zeit die neuronalen Bahnen und werden immer abhängiger vom Dopmainausstoß, dem einen Pornofilme bieten. Smartphones und schnelles Internet sorgt dafür, dass die Droge überall, schnell und kostenlos verfügbar ist. Fertig ist der Teufelskreis, aus dem Betroffene alleine nicht austreten können.

Sucht entsteht im Kopf und manifestiert sich im Körper

Wieso ist es wichtig, die körperliche Komponente von Pornosucht so genau zu differenzieren? Für eine erfolgreiche Heilung ist es unabdingbar zu verstehen, welche Mechanismen in welchem Umfang im Gehirn aber auch im limbischen System vorgehen. Raucher die von einen Tag auf den anderen aufhören (auch „Kalter Entzug“ genannt), haben eine höhere Wahrscheinlichkeit langfristig abstinent zu bleiben (Miller, Mounsey und Smith, 2017).

Welche Art von Therapie bei Porno- und Sexsucht am besten anschlägt muss erst noch erforscht werden. Aus eigener Erfahrung habe ich aber festgestellt, dass ein Verzicht in kleinen Schritten besser wirkt, als ein Cold Turkey Verzicht. Wichtig ist aber auch, dass die Person weiß ob sie überhaupt als süchtig oder nicht eingestuft werden kann.

Sucht manifestiert sich auch im Körper der betroffenen Person

Darüber hinaus muss aber auch die moralische Komponente beachtet werden, denn „Die moralische Missbilligung des Gebrauchs von Pornografie und Religiosität stand in einem durchweg positiven Zusammenhang mit dem Gesamtergebnis von CPUI-9, der Subskala Emotional Distress und der Subskala Wahrgenommene Impulsivität.“ (Grubbs et al., 2017)

Fazit

Wer von heute auf morgen damit aufhört pornografische Inhalte zu konsumieren und damit denkt dauerhaft und erfolgreich seine Sucht zu bekämpfen, der könnte ein böses Erwachen erleben. Bloße Willenskraft alleine ist oft nicht von Erfolg gekrönt. Ansätze die die Sucht nach Pornografie bekämpfen müssen sinnvoll durch eine Diskussion der moralischen Vorstellungen, aber auch mit Sport, gesunder Ernährung und einem strukturierten Tagesablauf ergänzt werden.

Darüber hinaus wäre es sinnvoll, wenn Therapeuten und Berater die Behandlungen von Betroffenen zu protokollieren, um systematisch festzustellen welche Behandlungsarten am besten Anschlagen und am langfristigsten wirken. Sollten Sie selbst ein Betroffener von der Sucht nach Pornografie sein, würde ich mich freuen Sie bei einem kostenlosen Erstgespräch zu begrüßen.

Quellen:

  1. Childress A.R., Ehrman R.N., Wang Z., Li Y., Sciortino N., Hakun J., Jens W., Suh J., Listerud J., Marquez K., Franklin T., Langleben D., Detre J., O’Brien C.P. Prelude to Passion: Limbic Activation by “Unseen” Drug and Sexual Cues. PLoS ONE. 2008;3:e1506. doi: 10.1371/journal.pone.0001506.
  2. Miller, D., Mounsey, A. and Smith, D. (2017). „Cold turkey” works best for smoking cessation. [online] PubMed Central (PMC)
  3. Grubbs, J., Wilt, J., Exline, J., Pargament, K. and Kraus, S. (2017). Moral disapproval and perceived addiction to internet pornography: a longitudinal examination. Addiction, 113(3), pp.496-506.
  4. Bild von 建鹏 邵 auf Pixabay
  5. Bild von Лечение Наркомании auf Pixabay

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>