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Praktische Schritte um die Pornosucht zu besiegen

Die Pornografie fand mich, als ich 11 Jahre alt war. Was als „Erziehungsmaßnahme“ von meinem 5 Jahre älteren Cousin begann, endete in einen Kampf mit Pornografie, der mich meine gesamte Schul- und Universitätszeit begleiten sollte. Zunächst kam es mir vollkommen normal und sicher vor – ich hatte kein Risiko mir Geschlechtskrankheiten einzufangen oder jemanden zu schwängern. Aber spätestens als ich mit 16 Jahren das erste Mal mit einer erektilen Dysfunktion konfrontiert wurde, stellte ich mein Problem fest – ich konnte nicht aufhören.

Zunächst wusste ich nicht woran es lag und suchte Rat bei einem Urologen. Dieser empfahl mir es zunächst mit Viagra zu probieren, bis ich mein Problem in den Griff bekommen würde und es anschließend abzusetzen. Dass Teenager Probleme mit ihrer Potenz entwickeln, ist ein Problem, dass es erst seit dem Zeitalter des Internets gibt

Erektile Dysfunktion mit 16 – Mein Urologe verschrieb mir Viagra

Ich habe viele verschiedene Techniken ausprobiert, um mich aus dem Griff der Pornografie zu befreien. Anstatt Freiheit zu finden, hatte ich das Gefühl noch mehr von meiner Sucht runter gezogen zu werden. Die Scham und das Stigma wirkten wie Treibsand. Mit jedem gescheiterten Versuch, sich zu befreien, fühlte ich mich hoffnungsloser.

Nach einem jahrelangem Kampf, erreichte ich einen Tiefpunkt. Ich musste etwas verändern. Viele Menschen, die mit Pornografie zu kämpfen haben, suchen verzweifelt nach einer einfachen Formel um schnell die Sucht in den Griff zu bekommen und werden frustriert, wenn sie ihr Problem nicht innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen in den Griff bekommen. Auch ich suchte jahrelange nach der schnellen Lösung.

Leider ist es nicht so einfach. Denn wie jede andere Sucht auch, brennt sich Pornografiesucht über Jahre hinweg in unser zentrales Nervensystem und hinterlässt bleibende Spuren. Freiheit fand ich nicht mit Hilfe des „ultimativen Tricks“, sondern durch eine Veränderung meiner Gewohnheiten über Jahre hinweg. Jeder Prozess wird für jeden Menschen anders ausfallen, aber in diesem Artikel möchte ich dir gerne ein paar besonders wichtige Schritte erklären, die meiner Meinung nach Teil von jeder „Heilung“ sein sollten.

Erzähle es jemanden

Der erste Schritt um Freiheit zu finden, ist deinen Kampf mit jemanden zu teilen. Dies ist eine mächtige Waffe gegen die Scham, die uns in verschiedenen Süchten wie Pornografie gefangen hält. Es jemanden zu erzählen – sei es einem Freund, Ehepartner, Elternteil, Pastor, Mentor oder Berater – sollte nichts mit Scham oder Bestrafung zu tun haben. Du teilst dies nicht mit anderen und enttäuscht diese Personen damit. Im Gegenteil. Viele meiner Klienten erfahren viel Unterstützung wenn sie sich jemanden anvertrauen und fühlen eine große Last von sich abfallen, was für den Heilungsprozess sehr förderlich ist.

Bei Pornografie und sexuellen Fehltritten im Allgemeinen sind anonyme Geständnisse nicht besonders hilfreich. Während sie es dir ermöglichen können, dir alles von der Seele zu reden, hast du nicht wirklich die Tür für Freiheit in deinem Leben geöffnet. Du hast einfach etwas Druck abgebaut. Was du tun musst, ist, jemandem zu sagen, der ein Teil deines Lebens ist.

Sich anderen Menschen anvertrauen kann

Ich habe jahrelang versucht, die Beichte zu vermeiden. Ich wollte mich nicht freiwillig vom Sockel stürzen und die weiße Weste mit irgendwelchen Süchten beschmutzen. Tatsächlich habe ich alles getan was ich konnte, um die Leute davon abzuhalten sich vorzustellen, dass ich mit einer Sucht kämpfen könnte. Der Gedanke, dass jemand etwas wusste machte mir große Angst.

Ich habe es niemandem gesagt. Stattdessen hoffte ich, dass ich erwischt werden würde. Ich dachte, erwischt zu werden, wäre mein Schlüssel zur Freiheit, aber es machte meinen Kampf und die Scham um ihn herum nur noch schlimmer. Ich fing nicht an, irgendeine Art von wahrer Freiheit zu erfahren, bis ich schließlich gestand, dass ich mit Pornografie zu kämpfen hatte und mich nicht alleine befreien konnte.

3 weitere Beispiele von Fehlern beim Kampf gegen die Sucht

Mache das Betrachten von Pornografie schwer

Manche Menschen glauben, dass sie durch ein Geständnis, automatisch auch die Verantwortung auf eine andere Person übertragen. Ein Klient von mir gestand alles seiner Frau und hoffte insgeheim, sie würde auf all seine Geräte eine Kindersicherung installieren und seinen Konsum überwach. Das ist einfach nicht wahr.

Anstatt darauf zu hoffen uns von anderen helfen zu lassen, sollten wir uns selbstbestimmt und verantwortungsvoll auf unsere Heilung konzentrieren. Nur so können Betroffene langfristig Freiheit erleben, ohne von anderen abhängig zu sein.

Manche Menschen treiben diesen Gedanken auf die Spitze und sind so verzweifelt, dass sie ihren Internetzugang kündigen und versuchen sämtliche Technik aus dem Leben verbannen um der Versuchung zu widerstehen. Langfristig ist es aber intelligenter zu lernen mit der Technik richtig umzugehen, denn für viele von uns wird es unmöglich sein, jegliche Form der Versuchung vollständig zu vermeiden. Wir arbeiten in einer Technologiekultur, die für fast alles einen Internetzugang voraussetzt. Wenn du in der Lage bist, deine Technologie einzuschränken oder sogar zu eliminieren, ist das großartig, aber eine bessere Strategie ist es, den Zugriff auf pornografische Inhalte extrem schwer zu machen.

Wir sind Geschöpfe der Bequemlichkeit. Deshalb ist Pornografie ein so weit verbreiteter und allgegenwärtiger Kampf. Wir tragen unsere Sucht buchstäblich in unseren Handtaschen und Gesäßtaschen herum. Wir können jederzeit, unbegrenzt und kostenlos darauf zugreifen. Manchmal verleitet uns selbst Langeweile zur Sucht. Es wird zu einer schlechten Gewohnheit.

Nur du weißt, wie und warum du auf Pornografie zugreifst. Du weißt, was es dir leichter macht, an sie heranzukommen, ohne nachzudenken. Notiere dir dein normalen Muster. Welche Art von Hindernissen kannst du in dein Leben integrieren, um den Zugriff auf Pornografie schwerer zu machen? Hier sind einige Ideen:

  • Kindersicherung installieren auf Computer/Laptop/Smartphone/Konsole (meine Empfehlung lautet Covenant Eyes)
  • Keine mobilen Endgeräte im Schlafzimmer
  • Niemals privat auf das Internet zugreifen, lieber in öffentlichen Bereichen wie Cafes oder Bibliotheken

Für mich persönlich muss der wichtigste Schritt gewesen sein, eine Kindersicherug auf all meinen Endgeräten zu installieren. Es ist viel leichter einer Sucht nicht nachzugeben, wenn es technisch unmöglich ist. Wenn ich am Sonntag um 23 Uhr einen Porno sehen wollte, müsste ich theoretisch das Haus verlassen und entweder zum Sexshop laufen (der weit weg ist) oder mir Zugang zu einem anderen Gerät verschaffen. Es ist zwar nicht komplett unmöglich rückfällig zu werden, aber es ist sehr viel schwerer.

Finde deinen Auslöser

Sobald du dir deinen Zugriff auf Pornografie schwieriger gemacht hast, wirst du eine bessere Vorstellung davon haben, was dich zur Pornografie treibt. Wenn es weniger eine unbewusste Gewohnheit ist, die dich zu deiner Sucht treibt, was ist dein Auslöser?

Dinge die für dich einen Rückfall auslösen könnten, müssen nicht unbedingt bei anderen Personen das Gleiche auslösen. Für einige Menschen sind Auslöser auch nur emotional. Für einige sind sie eher situativ. Für mich waren die größten Auslöser z. B. Stress, Langeweile und Müdigkeit. Vor allem wenn diese drei Faktoren gemeinsam auftraten, war die Rückfallwahrscheinlichkeit sehr hoch.

Nicht jeder Auslöser ist vermeidbar, aber wenn man weiß, was einen auslöst, kann man einen Plan entwickeln wie man gefährliche Situationen mit hoher Rückfallwahrscheinlichkeit gar nicht erst auftreten lässt.

Kämpfe für deinen Verstand

Pornografie ist ein einzigartiger Kampf, denn in gewisser Weise kann man nicht von ihr getrennt werden. Schließe dich in einem Raum ohne Internet, Bücher oder Fernsehen ein und du kannst immer noch mit Pornografie kämpfen, indem du einfach in deinen eigenen Kopf gehst. Der Kampf um meinen Verstand war bei weitem der härteste und längste Teil meiner Reise in die Freiheit.

Es ist nämlich leider nicht damit getan einfach nur aufzuhören pornografische Inhalte zu konsumieren. Durch jahrelange Konditionierung haben sich im Gehirn von Süchtigen nämlich neuronale Bahnen stark verfestigt und sind es gewohnt regelmäßig ausgelöst zu werden. Nach ein paar Tagen ohne Pornografie wird dein Gehirn langsam Panik bekommen, weil es nicht die gewohnte Dosis an Dopamin bekommt und überschüssige Energie los werden wollen. Betroffene fühlen sich oft schuldig, weil sie denken mit ihnen stimmt etwas nicht,

Neuronale Auswirkung von Süchten auf das Gehirn

Tatsächlich handelt es sich aber um eine ganz normale Entzugserscheinung, die überwunden bzw. abgemildert werden müssen. Ich persönlich merkte, dass es mir viel leichter fiel nicht an meine Sucht zu denken, wenn ich meine überschüssige Energie in Sport umwandelte. Es musste dabei nicht mal ein besonders langes oder hartes Training sein. Ein 20 Minuten langer Lauf reichte schon aus. Betätigte ich mich jedoch ein paar Tage lang nicht sportlich, zeigten sich bei mir deutliche Konzentrationsstörungen und ich hatte viel mehr mit meinen Entzugserscheinungen zu kämpfen.

Um soziale Beziehungen kümmern

Ein wichtiger Schritt zur Heilung, der von vielen übersehen wird, sind soziale Kontakte und andere Formen von Beziehungen. Viele Betroffene haben das Gefühl, dass sie erst nach einer vollständigen Heilung ihrer Sucht, sich um ihre Beziehungen kümmern sollten. Wenn wir den Kampf gegen unsere Sucht wie eine Virusinfektion behandeln, isolieren wir uns noch mehr von den Menschen, die uns helfen und unterstützen könnten. Man muss nicht unbedingt dem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis von seiner Sucht erzählen, es geht eher darum sich nicht vollständig zu isolieren.

Bei meinen Sitzungen bin ich immer wieder darüber erstaunt, dass ich oft die erste Person bin, mit der sich Menschen offen über ihre Sucht unterhalten können. Die Heilung ist ein Prozess der Jahre andauern kann und der einfacher überwunden werden kann, wenn man seine Gefühle und Zweifel mit anderen Menschen teilen kann. Auch ich musste Jahre investieren, bis ich geheilt war. Diese Jahre waren gefüllt mit langen Gesprächen, Mentorschaft und ja, auch Versagen und Rückfällen. Ich lernte, wuchs, heilte und verband mich mit Mitmenschen die ein offenes Ohr für mich hatten und mich unterstützten.

Freiheit ist so viel mehr als „Hör auf, Pornografie zu schauen“ einfach 90 Tage lang abstinent zu bleiben. Freiheit bedeutet vor allem auch das Leben zu leben, das Pornografie dich nicht haben lassen wollte. Freiheit bedeutet, dass deine Identität wiederhergestellt wird. Ich habe bis jetzt keinen Klienten gehabt der eine langfristige Heilung schaffte, ohne sich einer anderen Person anzuvertrauen. Deshalb ist es sehr wichtig, sich einer vertrauensvollen Person anzuvertrauen.

Scham wird versuchen, dich davon zu überzeugen, dass du deine Sucht verstecken und dich selbst befreien musst, aber so ein Verhalten ist sehr kontraproduktiv. Du kannst versuchen, die Freiheit auf eigene Faust zu finden, in der Hoffnung, dass du erwischt wirst, oder du kannst heute ins Licht treten und auf wahre Freiheit zusteuern. Es wird nicht einfach sein, aber das Endergebnis ist die Mühe wert.

Ich habe z.B. auch erst im Gespräch mit einer anderen Person vor ein paar Jahren erfahren, dass die Häufigkeit meiner Masturbationsgewohnheit alles andere als normal ist und ich weit über dem Durchschnitt liege. Ein wichtiges Detail, dass mir dabei half eine neue Sicht auf mein Verhalten zu bekommen und dass ich, ohne eine dritte Person wahrscheinlich niemals entdeckt hätte.

Solltest du das Gefühl haben deine Sucht nicht ohne fremde Hilfe bewältigen zu können, melde dich jetzt unverbindlich für ein kostenloses Erstgespräch an, indem wir eine gründliche Anamnese deiner Situation durchführen und individuelle Lösungsansätze erarbeiten.

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